entschieden entscheiden

 „Ja, klar, ähm nein, ich mein ….Jein!

Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein?

Jein…“

 

Schon Fettes Brot hat’s hinaus geträllert und ganz in dem Sinne geht es weiter mit zahlreichen Fragen:

Welchen beruflichen Weg soll ich einschlagen? Mit welchem Partner will ich mein ganzes Leben teilen? Kann es überhaupt ein ganzes Leben sein? Kaufe ich dieses Sofa, investiere ich finanziell in dieses Projekt? Schaffe ich mir einen Hund an? Kinder, keine Kinder? Oder auch nur wo soll es dieses Jahr in den Urlaub hingehen?

 

Herzlich willkommen bei Generation Y, in einer Welt, die mit ihrer Vernetzung unzählige Wahlmöglichkeiten liefert. Was auf den ersten Blick wie die große Freiheit glänzt, stellt sich in Wahrheit für viele als eine Sackgasse heraus. Eine Einbahnstraße, die im Flur endet. In einem Flur, von dem aus hunderte Türen aufgehen und in dem wir vor lauter Möglichkeiten wie erstarrt stehen. Unfähig eine Tür zu öffnen, durchzugehen, uns für diesen Weg zu entscheiden….denn halt! Da sind ja noch hundert andere, was wäre wenn….

 

Wie treffe ich hier die RICHTIGE Wahl?

 

 

Gib mir Gefühl!

Um dem Gefühl ein bisschen näher zu kommen und seine Rolle im Entscheidungs­prozess zu ergründen, gehen wir noch einmal zurück ins Jahr 1982 in eine neurologische Praxis. Dort in Antonio Damasios Räumen saß Elliot, dem ein Hirntumor im Frontallappen entfernt worden war. Diese Operation hatte zur Folge, dass aus einem fleißigen Mann ein Unentschlossener geworden war. Er konnte kein Buch lesen, wenn mehrere zur Auswahl standen oder verbrachte Stunden vor dem Radio, beschäftigt mit der Entscheidung über einen Sender. Weder Intelligenz noch motorische Fähigkeiten waren beeinträchtig, das Einzige, was nicht mehr zu funktionieren schien, war: Entscheidungen zu treffen…

 

Wieso bringe ich dieses Beispiel hier an?

 

Weil Damasio anhand zahlreicher Tests herausfand, dass seinem Patienten genau eines fehlte: die Fähigkeit, Emotionen zu spüren.

Keine Trauer. Keine Angst. Keine Wut. Keine Freude. Keine Leidenschaft.

 

Elliot konnte sich nicht mehr entscheiden, weil sich alle Varianten gleich anfühlten.

 

Also her mit dem Gefühl – dann ist doch einiges dran an der berüchtigten „Bauch­entscheidung“. Unsere Emotionen helfen uns, zu antizipieren, wie wir uns fühlen würden, wenn wir einen Weg einschlagen.

Aber ist es tatsächlich so einfach?

 

 

Besser gut durchdacht…

Nein, leider nicht. Denn dann würden wir lediglich emotionsgeleitet durch die Welt irren und wahrscheinlich sowohl der einen als auch der anderen Manipulation durch uns selbst oder auch durch unsere Umwelt aufsitzen. Wir würden Verzerrungen der Realität einfach hinnehmen, ohne ein Fragezeichen hinter die Aussage zu setzen.

 

Stell Dir vor, Du willst eine Reise machen und Du bist auf der Suche nach einem geeigneten Zielland. Vielleicht entscheidest Du Dich für ein Land, in das Deine Freunde bereits gefahren sind – das erscheint Dir sicher. Vielleicht kaufst Du die Tour schlussendlich bei dem beratenden Anbieter, weil der Verkäufer schlichtweg sympathisch oder gutaussehend war.

 

Wie Du siehst, wir lassen uns schnell beeinflussen. Wir ziehen die Meinung und die Lebensweise anderer wichtiger Personen als Ankerwert heran, um uns daran zu orientieren. Wir folgen Emotionen, die ein Verkäufer in uns wachruft, obwohl wir doch nur die Reise kaufen und weder ihn noch die Reise mit ihm.

 

Also ist es vielleicht doch besser, Optionen abzuwägen, zu analysieren und zu verstehen, welche Möglichkeiten, welche Konsequenzen und Chancen mit sich bringen.

 

 

Team Bauch& Kopf

Ohne Gefühle ist der Verstand hilflos

Und

Ohne Verstand sind wir manipulierbar.

 

Was nun?

Vielleicht ist es an der Zeit für ein wenig Teamwork.

 

Sich einen Überblick zu verschaffen und die Optionen zu analysieren, gelingt am besten, wenn man einen Schritt zurücktritt, etwas Distanz zwischen sich und die Entscheidung bringt. Aus der Vogelperspektive können wir dann das Smart-Ass spielen und Vor- und Nachteile herausfiltern, so als würden wir es für einen Dritten tun.

 

Natürlich ist es auch entscheidend, einen Fokus zu setzen und nicht alle Möglichkeiten ins Visier zu nehmen – denn dann geschieht genau das, was ich eingangs mit der Flur-Sackgasse gemeint habe – wir sind erschlagen von den Möglichkeiten. Für einen Studienanfänger gibt es in Deutschland knapp 17.000 Studienmöglichkeiten, für jemanden auf Partnersuche bei einer Weltbevölkerung von 3,4 Mrd. Menschen dementsprechend viele potenzielle Kandidaten (natürlich runtergebrochen auf Männer/Frauen im jeweiligen Alter). Sich über all die Optionen zu informieren würde länger dauern, als besagtes Studium tatsächlich zu absolvieren oder - wie in Michael Nasts „Generation Beziehungsunfähig“ beschrieben - beständig auf der Partnersuche zu sein, denn es könnte ja noch jemand besseres daher spazieren.

 

Deshalb ist es vielleicht ratsam, emotionsgeleitet eine erste Vorauswahl zu treffen, diese mithilfe des Verstandes zu analysieren, um dann die Wahlmöglichkeiten wieder auf der Gefühlsebene zu antizipieren. Die Frage nach dem: „Wie fühle ich mich, wenn…?“, zu beleuchten.

 

 

Fehlentscheidungen

Neben der Interaktion zwischen Kopf und Bauch spielt auch der Umgang mit Fehlentscheidungen eine nicht ganz unwichtige Rolle. Manche Menschen hängen „falschen“ Entscheidungen unglaublich lange nach. Sie bereuen und grübeln und drehen die Frage nach dem „was wäre gewesen, wenn?“, vor und zurück und zurück und vor.

Bereuen kostet Lebenszeit. Der Blick nach hinten schränkt uns ein, macht uns auf lange Sicht unglücklich und sorgt dafür, dass wir nächste Entscheidungen noch zögerlicher angehen.

 

Wir könnten ja etwas falsch machen.

Wir könnten etwas verlieren.

Wir könnten verletzt werden.

Wir könnten scheitern.

 

Alles richtig.

 

Aber das ist eine Bewertung, die wir jetzt abgeben - zu einem Zeitpunkt, an dem wir mehr wissen, als zur Zeit der Entscheidung, seit dem sich bereits einiges geändert hat (wir inklusive der Umwelt).

 

Also seien wir doch mal gnädig zu uns: es hat damals gute Gründe gegeben, sich zu entscheiden, wie wir uns entschieden haben.

 

Also lass uns weder fragen, wie wir die RICHTIGE Entscheidung treffen noch wie wir die FALSCHE Entscheidung vermeiden, sondern...

 

...lass uns entschieden entscheiden und einfach mal machen!

 

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