Bildquelle: Chris Lawton

Gefühlswelten

Freude, Trauer, Wut, Überraschung, Ekel, Furcht.

Und weiter geht es mit Scham, Mitgefühl, Schuld, Dankbarkeit, Eifer, Gefasstheit, Enthusiasmus, Zorn, Fröhlichkeit, Gelassenheit, Bedrängung, Einsamkeit, Reue, Empörung, Verliebtheit und und und…

 

Ich denke, ich könnte wahrscheinlich einen ganzen Blogartikel mit den unterschiedlichsten Schattierungen von Gefühlen füllen.

Ganze 150 verschiedene Gefühle benennt die Autorin Tiffany Watt Smith (in „Das Buch der Gefühle“).

 

Allein der Titel des Blogartikels malt schon Bilder. Es ist eine ganze Welt voller Gefühle. Stellen Sie sich das bitte mal vor dem inneren Auge vor. Das zeigt wirklich deutlich auf, über welchen Facettenreichtum inneren Erlebens wir verfügen.

 

Was tun wir mit diesen vielen unterschiedlichen Formen des Fühlens?

 

 

Gute und Schlechte

 

Naja, leider tun wir allem voran besonders eines.

Erst unterteilen wir sie, in die Guten und die Schlechten, die Habenswerten und die Nichthabenswerten.

Danach streichen wir die Hälfte von ihnen – die schlechte Hälfte natürlich.

 

Haben Sie sich auch schon einmal selbst dabei ertappt, auf die Frage: „Bist du wütend?“, ein „Nein!“ entgegnet und doch innerlich genau gespürt zu haben, dass diese Antwort gerade nicht wirklich der Wahrheit entsprochen hat?

Vielleicht haben Sie sich im Verlaufe Ihres Lebens auch schon einmal selbst hinters Licht geführt. Der Kollege bekommt über Monate hinweg die spannenderen Aufgaben, Sie sind nicht neidisch. Nein, definitiv nicht. Aber der Kollege macht einfach einen miserablen Job, da kann man leider nichts anderes zu sagen…

Merken Sie es?

Ganz genau!

Sehr häufig tappen wir alle in diese Falle.

Eine Falle, die sich auf Basis der Einteilung der Emotionen in gute und schlechte ergibt.

Denn wenn ich merke, dass ich wütend, gereizt oder gar eifersüchtig bin, komme ich in der logischen Folge zu folgendem Ergebnis:

Emotion „Eifersucht“ = schlecht

Ich empfinde diese Emotion = schlecht

Alles Verhalten, was durch diese Emotion getriggert wird = schlecht.

 

Schon als Kinder können wir diese Gleichung wunderbar durchdeklinieren. Also lernen wir sowohl die Kategorisierung als auch die Konsequenz sehr schnell.

 

Wir haben diese Emotion also nicht.

 

Nebenwirkungen

 

Da gibt es leider nur einen kleinen Haken an der Sache.

Und zwar, dass das bloße Negieren dieser Emotion, meist nicht dazu führt, dass sie nicht vorhanden ist.

Sprich: Sowohl die kognitive Komponente (was denken wir?), die physiologische Komponente (welche körperlichen Reaktionen geschehen automatisch?), die motivationale Komponente (was für einen Handlungsimpuls verspüre ich?) und auch die expressive Komponente (welche nonverbalen und mimischen Signale sende ich?) werden weiterhin aktiviert werden.

Als Beispiel: Ein Kind, welches eine Beleidigung erfährt, mögen das enttäuschte Erwartungen oder Angriffe auf das Selbstwertgefühl sein, wird zunächst automatisch Ärger empfinden. Denn es wurde „bedroht“. Hat es nun in der Sozialisation gelernt, dass Ärger ein „schlechtes Gefühl“ ist, das man nicht offen nach außen zeigt, wird es diesen unterdrücken oder überspielen.

Was passiert nun aber mit den ganzen oben angeführten Komponenten?

Zurück zu unserem Beispiel mit dem Kind: Trotzdem rast sein Herz, die Schweißproduktion wird angekurbelt, Adrenalin läuft durch den Körper, die Gedanken kreisen um den Widersacher und/oder die auslösende Situation, die Laune mit dem Betreffenden weiter Zeit zu verbringen oder zu reden sinkt gen Null.

 

Das heißt aber lediglich, dass wir äußere Kosmetik betrieben haben und quasi eine Schicht Make-Up über die wahren Gefühle gelegt haben.

 

Was passiert nun aber mit dem darunterliegenden Gefühl?

Verschwindet es von selber? Schwillt es an und brodelt weiter?

Wie Sie es mit Sicherheit schon selbst am eigenen Leib oder in der Beobachtung von anderen erlebt haben, ist beides möglich.

Dabei kommt es sehr stark auf die Intensität des erlebten Gefühls an, auf die Dauer der „Belastungssituation“ (wird bspw. mein Selbstwert nur einmal angegriffen oder geschieht dies durch dieselbe Person wiederholt über einen langen Zeitraum?) und den Kontext.

Wenn es sich allerdings nicht von selbst materialisiert (was häufiger der Fall ist), kann es zu unschönen Nebenwirkungen führen. Es kann dazu führen, dass:

  • die Beziehung nachhaltig belastet wird
  • die Gefühle nach innen gerichtet werden und buchstäblich „in sich reingefressen“ werden oder im schlimmsten Fall ihren Weg auf einer somatischen Ebene an die Oberfläche suchen

 

Bester Kompass

 

Dabei haben unsere Emotionen sehr wichtige Funktionen. Eine davon möchte ich hier in den Vordergrund stellen.

Unsere Emotionen zeigen uns, wenn es uns in einer Situation gut geht, sie zeigen uns aber auch, wenn uns etwas passiert, was uns potenziell schaden könnte.

 

Wie ein Kompass liefern uns unsere Emotionen Hinweise darauf, was unser Organismus in der jeweiligen Lage braucht.

Damit spreche ich nicht davon, dass wir blind jeder Emotion folgen sollen. Denn manchmal kann es auch dazu kommen, dass sich unser Kompass über die Jahre ein wenig verstellt hat und vielleicht sehr schnell gen Norden ausschlägt oder den Süden so gar nicht mehr anzeigt. Aber auch dann ist es höchste Zeit, mal genauer hinzuschauen, wann er genau im Norden verhaftet bleibt und wann die Nadel leicht Richtung Süden ausschlägt, um zu verstehen und das Gerät neu zu stellen.

 

Aber das soll an dieser Stelle nicht der Hauptfokus sein.

Vielmehr wollen wir mal davon ausgehen, dass wir über ein mehr oder wenig gut funktionierendes Kompasssystem verfügen. Um diesen auch optimal zu nutzen, wären folgende Schritte empfehlenswert:

  1. Lesen üben – bedeutet in diesem Fall, sensibel in sich rein zu hören. Wertfrei wahrzunehmen, welche Emotion der Kompass zeigt.
  2. agieren – bedeutet, den Gefühlszustand zu hinterfragen und zu beleuchten, um davon ausgehend eine adäquate Sprache zu finden, um mit sich im Einklang die Situation für sich besser zu gestalten.

 

So gesehen, sind besonders die „negativen“ Emotionen für uns ganz wertvoll!

Denn sie zeigen uns auf ihre Weise, wo uns er Schuh drückt. Um nicht Jahrelang mit einem zu kleine Schuh rumzulaufen, oder Steine mitzuschleppen, sollten wir die Bewertung der Emotionen entfernen, hinschauen und handeln. Denn…

 

 

Keep in mind:

all emotion is beauty…

 

 

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