Die Macht der GEdanken

Wie gedankliche Verkettungen unsere Sicht auf die Realität blockieren…

Heute würde ich gerne mal etwas anders vorgehen.

Wie wär’s mit einer Geschichte?

 

Es war ein Montag im Sommer. Herr Peter saß an seinem Schreibtisch im Büro, er hatte sich gerade einen Kaffee in der Teeküche zubereitet und wieder hinter seinem Rechner im Großraumbüro Platz genommen.

Die Hände an der warmen Tasse und den Kaffeeduft in der Nase dachte er über die Aufgaben für den heutigen Tag nach.

Als er noch in Gedanken versunken seinen heutigen Tag strukturierte, stand auf einmal ein Mann neben ihm: „Können Sie mir sagen, wo ich die Kaffeeküche finde?“.

Herr Peter blickte kurz vom Bildschirm auf und entgegnete dann einsilbig: „Nein“.

Und wandte sich wieder den Grafiken auf seinem Bildschirm  zu.

Der junge Mann war verdutzt.

Er hielt einen Moment inne.

Dachte nach…‘vielleicht hat er mich nicht richtig verstanden?!‘... stand doch ein noch heißer Kaffeebecher unmittelbar vor der Nase des anderen Mannes.

Etwas verunsichert setzte er erneut an: „Entschuldigen Sie bitte, aber könnten Sie mir lediglich mitteilen, wo ich hier im Büro Kaffee bekommen kann?“.

Der ältere der beiden Männer holte Luft und entgegnete sichtlich verärgert: „Ich habe Ihre Frage bereits beim ersten Mal verstanden.  Und die Antwort ist ‚Nein‘.“

Stille.

Nun war das Unverständnis dem jungen Mann deutlich ins Gesicht geschrieben: „Entschuldigen Sie bitte, aber ich verstehe das nicht. Wieso weigern Sie sich, mir diese Information zu geben? Sie haben vor sich eine Kaffeetasse stehen, haben sich also offensichtlich gerade einen zubereitet und verfügen damit über die Informationen, um die ich Sie bitte. Wieso wollen Sie sie mir dann nicht mitteilen. Noch dazu habe ich ganz höflich darum gebeten, habe Sie weder beleidigt noch in irgendeiner Weise eine zu persönliche Frage gestellt. Warum also verhalten Sie sich so?“

Ein tiefes Durchatmen war zu hören. Der ältere Mitarbeiter setzte an: „Ok, ok, schon gut. Wenn ich Ihnen die Zimmernummer der Kaffeeküche nenne, dann sind wir hier aber durch und Sie lassen mich endlich in Frieden weiterarbeiten, ok?“.

„Nein, nun will ich auch wissen, warum Sie mir gegenüber so abweisend reagieren. Ich will den Grund wissen, vorher werde ich nicht gehen.“, entgegnete der junge Mann.

„Ich weiß einfach, wie sich die Dinge von da aus entwickeln…“

„Wie werden sie sich denn entwickeln?“

Herr Peter rollte langsam seinen Schreibtischstuhl zurück, drehte sich in Richtung des jungen Mannes und holte aus: „Ich werde Ihnen die Zimmernummer der Kaffee­küche nennen. Da Sie neu hier sind – ich habe Sie nämlich hier noch nicht gesehen und ich bin schon etliche Jahrzehnte in diesem Unternehmen – werden Sie nicht wissen, wie Sie dort hinkommen sollen.“

„Das können Sie doch so sicher nicht sagen!“

„A.27.0B5“

Ohne es zu intendieren, malten sich Fragezeichen auf dem Gesicht des jungen Mannes ab.

„Sehen Sie!“, gab der Ältere zurück. „Sie würden mich höflich fragen, wo denn diese Nummer zu finden sei. Da Sie sympathisch daher kommen, werde ich Ihnen anbieten, Sie dort hin zu begleiten. Auf dem Weg zur Kaffeeküche werden Sie mich fragen, wie ich heiße und in welchem Bereich ich tätig bin.“

„Aber was ist denn schlimm daran? Ich verstehe nicht ganz…“ setzt der junge Mann an.

„Bitte unterbrechen Sie mich nicht, Sie wollten den Grund hören - also hören Sie nun auch zu.“

Der junge Mann nickte.

„Sie stellen fest, dass wir in ganz ähnlichen Bereichen tätig sind. In der Kaffeeküche angekommen, treffen wir auf andere Kollegen mitunter meinen Chef, der sich steht‘s um 10:30 Uhr einen Kaffee zubereitet. Da ich weiß, was sich gehört, stelle ich Sie vor. Sie unterhalten sich nett mit allen. Mein Chef wird Sie mögen, da er junge, dynamische Mitarbeiter, die mit neuem frischem Wissen von der Uni kommen, sehr schätzt. Sie werden ebenfalls einen sehr guten Eindruck hinterlassen, da Sie sich wohlfühlen werden. Wir haben uns ja bereits einen ganzen Weg zur Kaffeeküche unterhalten, Sie fühlen sich gut angenommen an Ihrem ersten Arbeitstag. Und so weiter. Sie werden sich künftig also mit jeder Frage an mich wenden, da ich Ihnen bei der ersten Frage ja so gut weitergeholfen habe und Sie in mir eine Art älteren Mentor sehen.“

Herr Peter echauffiert sich richtig. Mit erhobener Stimme fuhr er fort: „Und da mein Chef ja nun auch der Meinung ist, dass Sie ein solch qualifizierter neuer Kollege sind und wir beide ein gutes Team bilden, bittet er mich, Sie einzuarbeiten und mit Ihnen gemeinsam Aufgaben zu übernehmen. Da ich kollegial bin, mache ich das natürlich und stehe Ihnen mit fachlichen Informationen und Wissen über das Unternehmen zur Seite und gewähre Ihnen in alles Einblicke. Und es dauert gar nicht lange, dann wissen Sie besser Bescheid als ich, da Sie ja noch jung und dynamisch sind. Unser Unternehmen wird sich im Rahmen der Globalisierung und um wettbewerbsfähig zu bleiben, verschlanken müssen. Personalabbau ist das Stichwort. Naja, und dann trennt man sich halt von den Mitarbeitern, die alt, langsam und überflüssig geworden sind.“

Mittlerweile hatte sich Herr Peter in Rage geredet. Er holte Luft und schloss ab: „Und ich will meine Position nicht verlieren. Schon gar nicht an einen Jungspund, der sich nicht mal die Wege in einem Unternehmen merken kann!“

 

 

Ja…

Was sagt man dazu?

Ich weiß, ich habe es überspitzt.

Bewusst.

Um zu verdeutlichen, was wir in unserem Alltag oft ganz automatisch tun.

 

Wir setzen Wenn-Dann-Verknüpfungen und bilden daraus eine Kette von Ereignissen, die sich gegenseitig auslösen. Es scheint für uns, als ob diese Ereignisse unweigerlich zusammenhängen und wenn ich - wie bei einer Dominoreihe - den ersten anstoße, dann werden alle Steine bis zum letzten mit Sicherheit umfallen.

 

Dieses Denken in Wenn-Dann-Verknüpfungen führt auch dazu, dass wir uns in derartigen Situationen beständig gedanklich in der Zukunft bewegen und unser Handeln an potenziellen Ereignissen ausrichten (die ja aber nur eventuell eintreten könnten). Unser Verhalten ist dann im Zweifel so sehr auf das Vermeiden dieses erwarteten negativen „Dann“-Teils gerichtet, dass es vielleicht gar nicht mehr dem entspricht, wie wir im „Hier und Jetzt“ eigentlich empfinden oder wie es unseren Werten entspräche.

 

Wichtig sind aber zwei Dinge:

  1. zu sehen, dass nichts 100%-ig sicher und gegeben ist, außer dem ersten Ereignis. Die anderen Ereignisse können, müssen aber nicht folgen.
  2. sich bewusst zu machen, dass ich an jeder Weggabelung, bei jedem der Dominosteine neu entscheiden kann, ob ich aussteigen und die Wege in eine andere Richtung lenken möchte.

 

 

Warum nicht jetzt tun, was ich jetzt tun möchte und in der Zukunft mit den Ereignissen umgehen, die dann tatsächlich eintreten?

 

 

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