Authentisch sein - Wie kann das Gelingen?

Teil 2

 

 

Es wäre eine gute Idee – sagt der Idealist.

Es ist das einzig Wahre – schreit der Optimist.

Es würde die Arbeitsbeziehungen verbessern – pflichtet der Teamgeist bei.

Es wäre ganz schön gefährlich – kommt aus der Ecke der Angst.

Es wäre schlichtweg unklug – so der Stratege.

 

In der letzten Woche stand der Begriff der Authentizität im Fokus, dessen Aspekte und auch die Frage wieso unser Bedürfnis danach gerade jetzt so groß ist.

Heute würde ich Sie gerne einladen, tatsächlich mal einen Blick auf die Basis der Authentizität zu werfen

– nämlich dem: „wer bin ich den eigentlich, wenn ich echt bin?“

 

 

 

# the whole thing

 

Authentisch – ja das will ich sein! Mein Selbstbild ist ja auch das, einer integeren Person, die sagt, was sie denkt und die tut, was sie sagt.

Aber wirklich auch die schlechten Seiten?

Ne…

Die lieber nicht.

Die mag ja auch keiner sehen…

 

Verständlicher Impuls, aber eben dann doch nur die halbe Wahrheit. Und gehen wir nochmal in den Gedanken, was wir uns von Anderen wünschen:

Würden wir da auch so stark zensieren?

Würden wir keine schlechten Seiten erlauben?

Würden wir erwarten, dass jemand immer alles weiß, alles kann und keine Grenzen hat?

Oder würden wir dann nicht eher skeptisch werden, misstrauisch und vermuten, dass uns da doch nicht „das Echte“ gezeigt wird?

 

Ja, ich denke, an dieser Stelle dreht sich das Thema im Kreis.

Wenn wir also authentisch sein wollten, dann fängt das ganze ohne Rotstift an. Es beginnt bei der ganzen Wahrheit, bei dem ungeschönten Exemplar, das ist, wie es ist.

 

 

 

 

# more than just one

 

Was ist es denn dann, was ich in einem authentischen Umgang mit meinem Gegenüber zeigen möchte.

Was ist meine Identität?

Gibt es den einen Kern?

Unterschiedliche Disziplinen von der Religion über die Philosophie bis hin zur Psychologie haben sich mit diesem Thema auseinandergesetzt.

Mit dem Ergebnis, dass es den einen fixen Kern, so wie wir uns das vielleicht wünschen würden – da es ja stabil wäre - nicht gibt.

 

Der erste Aspekt den es bei der Identitätsbildung zu beleuchten gibt, ist der, dass Identität sich in der Interaktion entwickelt. Laut Moreno (Begründer des Psychodramas) spiegele ich mich in dir und mein Selbst ist eine Clusterung von mehreren Rollen, die ich mit unterschiedlichen Interaktionspartnern entwickelt habe.

Auch wenn Wolfgang Prinz (Psychologe und Kognitionsforscher) eine Bilanz über seine Forschungsergebnisse zieht, so fasst er zusammen: „was wir für unser Ich halten, ist letztlich nur ein Konstrukt, das im sozialen Kontext entsteht – Kern unseres Menschseins ist der soziale Austausch“.

Heißt das jetzt, ich bin doch ein Rollenspieler? Und ich bin gar nicht immer der/dieselbe?

Doch wir sind schon ein und dieselbe Person. Dennoch werden wir nicht gleich Agieren und in derselben Form kommunizieren, wenn wir mit unserem Chef im Kontakt sind, als wenn wir in unserer Partnerrolle unterwegs sind, auch stehen andere Motivationen im Vordergrund wenn ich in einer Situation mit meinem Team bin, als wenn ich mich lediglich im Gespräch mit einer Kollegin befinde.

Schon allein das Setting macht einen Unterschied.

Spreche ich in einem Arbeitskontext mit meiner Kollegin, wird dieses Gespräch ein anderes sein, als das, was bei dem Weg zur Bahn in einem lockereren Kontext stattfindet. All diese Nuancen, das Einstellen auf einen spezifisches Gegenüber und den entsprechenden Kontext macht uns als Menschen und die Rollen (z.B. Mitarbeiterin, Kollegin, Partnerin, Mutter) aus.

Wichtig ist aber, das eigene Set von Rollen, zu kennen und auszubalancieren und dabei seinen eigenen Werten treu zu bleiben.

Habe ich beispielsweise den Wert der Ehrlichkeit sollte dieser in all meinen Rollen, die ich innehabe zu tragen kommen. Kommt in einem Setting z.B. mit meiner Führungskraft noch mein Ehrgeiz ins Spiel, ist es interessant zu sehen, welcher der beiden Werte bei mir persönlich höhere Priorität hat. Häufig kommen Eindrücke von „unechtem“, unauthentischem Verhalten zustande, indem in einem Setting (z.B. mit einem Kollegen) der Wert der Ehrlichkeit sehr in den Vordergrund gespielt wird, in einer Vorgesetztensituation, aber deutlich wird, dass eigentlich der persönliche Ehrgeiz stärker ausgeprägt ist und für mich Vorrang hat. Dann wir sich mein Verhalten auch entsprechend dieser Vorstellung ausrichten. Für meinen Kollegen, der evtl. beide Situationen beobachtet, wird dieses Verhalten als inkongruent erlebt. Hintergrund hierfür ist allerdings, dass ich mir selbst über die Prioritäten meiner Wertvorstellungen nicht bewusst war.

 

Der Mensch wird am Du zum Ich.

(Martin Buber)

 

 

 

 

# it is changing & never completed

 

Identität ist kein in sich fixes Produkt, was einmal besteht und dann für unser ganzes Leben lang so erhalten bleibt.

Das wahre Ich ist ein Ich in Bewegung.

Klaus Rothermund von der Universität in Jena sagt dazu: „es ist nicht so, dass man geboren wird und da steckt schon der ganze Klaus drin, der sich nur noch entfalten muss“. Und auch bei Moreno ist Identität gleich Identitätsentwicklung. Es ist also ein dynamischer Prozess, mit dem wir uns wahrscheinlich unser ganzes Leben lang auseinandersetzen dürfen.

Wechselseitig bedingt sich das, was wir genetisch mitgegeben bekommen haben mit dem, was wir durch unsere Interaktionspartner und durch unsere Umwelt im Laufe unseres Lebens erlernen. Natürlich suchen wir uns mit den Jahren immer mehr von den Rollen, Umgebungen, und Interaktionspartnern, die uns entsprechen – was wiederum diese Wesenszüge in uns verstärkt.

 

Das wahre Ich ist ein Ich in Bewegung.

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