hack ur brain                                                                                                        - über methoden in der Personalentwicklung

Wie kann etwas hängen bleiben?

Teil 2

 

Sie haben weitreichende Personalentwicklungsmaßnahmen gestartet, sämt­liche Mitarbeiter und Führungskräfte in unterschiedlichsten Themen geschult.

Und alle kamen begeistert zurück.

Oder Sie waren selbst wieder einmal auf einem Training.

Doch schon kurze Zeit später läuft alles wieder genau in den gleichen Bahnen.

Nichts hat sich geändert.

 

Wir haben uns in der letzten Woche in Teil 1 angesehen, wieso das häufig der Fall ist.

Heute schauen wir auf die Möglichkeiten, einen Fußabdruck zu hinterlassen und etwas zu trainieren, das von Dauer geprägt ist.

Dazu möchte ich gerne einen kleinen Blick auf unser Gehirn werfen (Teil 2), denn da soll am Ende ja das Wissen abgelegt werden. Auch der Weg bis dahin ist entscheidend – sprich: die Sinnenkanäle. Diesen werden wir uns dann in Teil 3 dieser Serie widmen.

 

 

 

Gedächtnisbereiche berücksichtigen

 

Sich an eine vor Jahren gehörte Melodie erinnern, Wissen, dass Paris die Hauptstadt von Frankreich ist, Fahrradfahren, automatisch vor einer roten Ampel halten, sich noch nach Jahren nach einem Unfall bei dem Klang einer Polizeisirene erschrecken, im Kopf 7 x 14 berechnen….

All das sind Leistungen unseres Gehirns. Leistungen, die von unterschiedlichen Gedächtnisarten bewerkstelligt werden.

Wissen, dass Paris die Hauptstadt von Frankreich ist, wird beispielsweise im sogenannten semantischen Gedächtnis abgespeichert. Dort wird Weltwissen in assoziativen Netzwerkstrukturen abgelegt. Wenn es jedoch darum geht, Fahrradzufahren, dann wird dies in einem Gedächtnis abgespeichert, welches sich prozedurales Gedächtnis nennt. Hier finden Bewegungsabläufe und Handlungsprozesse ihren Platz. Die Melodie, die Sie vor Jahren gehört haben liegt im episodischen Gedächtnis – dort, wo alle Dinge mit einem persönlichen Bezug, dem „es ist mir passiert“ zuhause sind.

 

Nun könnte man fragen: Wieso sollte es von Bedeutung sein, die Namen dieser Gedächtnisarten zu kennen?

 

Ja, die Namen an sich sind Schall und Rauch – darum geht es nicht. Aber wenn das Ziel ist, etwas abzulegen und auch nachhaltig abzulegen, ist es vielleicht nicht ganz unwichtig, sich zu überlegen, wo ich etwas hinlegen will, bzw. ob eine Einbeziehung aller dieser genannten Gedächtnisformen nicht vielleicht eine bessere, tiefere Speicherung versprechen könnte. Genauso ist es nicht unentscheidend, sich Gedanken zu machen, wie das Material dort organisiert ist, um die Überführung an den Speicherort so wahrscheinlich wie möglich zu machen.

 

 

 

Kurzzeitgedächtnis

 

Sie haben wahrscheinlich schon selbst erlebt, dass das bloße Behalten von Wissensinhalten recht schwierig und dass die Kapazität der aufzunehmenden Menge begrenzt ist. Gerade habe ich noch versucht, mir eine neue Vokabel zu merken und schon ist sie wieder weg. Eben hatte ich noch die Details einer Theorie im Kopf – nun weiß ich auf einmal nur noch die Hälfte…

Dies liegt daran, dass die Überführung der Wissensinhalte durch das Nadelöhr des Kurzzeitgedächtnisses marschieren muss. George A. Miller fand 1956 heraus, dass die Anzahl der Dinge (Chunks), die wir aktiv im Kurzzeitgedächtnis behalten können bei 7 +/- 2 liegt.

Also Sie sehen – die Aufnahmekapazität ist limitiert. Umso entscheidender ist es, die Informations­häppchen miteinander zu verknüpfen und größere Ketten in einen Chunk-Ordner zu packen. Sprich: ich merke mir nicht 4-2-6-3-8-9-4 sondern 42-63-89-41-… und so weiter.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf Ihrem PC lediglich die Erlaubnis, 7 Ordner anzulegen… ich nehme mal an, Sie würden kreativ werden und Unterordner bilden, um möglichst viele Dateien abzulegen. Ähnlich funktioniert das in unserem Gehirn.

 

 

 

Semantisches Gedächtnis

 

In der Praxis bedeutet das für den semantischen Teil Folgendes: Da die Information in Wissensnetzwerken - ähnlich eines verzweigten Assoziationsbaums - organisiert ist, kann man besonders bei der Vermittlung von theoretischem Wissen darauf achten, dieses entsprechend aufzubereiten. Die sogenannte reduktive Methode bedient sich dem Namen nach einer Reduzierung des zu lernenden Materials und einer Aufbereitung in einer semantischen Netzwerkstruktur, sodass eine Verknüpfung der einzelnen Wissensinhalte erleichtert erfolgen kann.

Bedeutet für die Praxis, dass es förderlich für den Lernprozess ist, die Informationen bereits in einer entsprechenden reduzierten Netzwerkstruktur ähnlich einer Mindmap aufzubauen, bzw. diese Reduktion gemeinsam während der Trainingsmaßnahme durchzuführen.

 

 

 

Episodisches Gedächtnis

 

Auch lohnt es sich, weitere Gedächtnisarten in den Lernvorgang zu integrieren. Beispielsweise den Teil des episodischen Gedächtnisses mit einzubeziehen. Da dies der Bereich ist, der sich um die eigene Involviertheit bezieht, bedeutet dies für unsere Personalentwicklungsmaßnahmen, eine persönliche Relevanz zu schaffen, individuelle Themen zu bearbeiten, meine Person einzubinden. Dazu kann man sich der elaborativen Lernmethode bedienen. Diese bezieht sich darauf, das Lernmaterial anzureichern. Und zwar um Elemente anzureichern, die einen persönlichen Bezug darstellen. Hintergedanke ist, dass ich gar nicht erst neue Einheiten bilden muss, die ich memorisieren und für diese einen Platz im Gedächtnis schaffen und etablieren muss, sondern dass ich bestehende Einheiten nutze und lediglich das neue Wissen, die neue Information hinzufüge.

Ich merke mir also nicht die neue Theorie über den Wiederstand bei Veränderungen, sondern ich betrachte meine Erfahrungen bei der letzten Veränderung im Konzern, und verknüpfe diese mit der Theorie.

 

 

 

Prozedurales Gedächtnis

 

Desweiteren ist uns bei Personalentwicklungsmaßnahmen wenig geholfen, wenn wir kleine oder große Nerds mit einer Vielzahl von theoretischem Wissen produzieren, die vielleicht die Phasen eines Konfliktgesprächs herunterbeten können, aber in der der Praxis kein kritisches Thema auf den Tisch bringen können.

Also: sollten wir auch das prozedurale Gedächtnis berücksichtigen. Verhaltensweisen trainieren und diese ein stückweit automatisieren, sodass wir ähnlich dem Fahrradfahren nicht bei jedem kleinen Schritt darüber nachgrübeln müssen, welcher Step nun als nächstes dran war.

 

Lassen Sie uns bei der Durchführung von Trainingseinheiten also darauf achten, auch in puncto Gedächtnis auf Ganzheitlichkeit zu achten…

 

Lesen Sie in Teil 3, wie Sie durch die Berücksichtigung unserer Sinneskanäle bessere Lernerfolge erzielen.

 

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