Interkulturelle Teams – Diversity nutzen, anstatt darüber zu stolpern.

Teil 2:

 

„Die Wertschätzung der Vielfalt ist ein Gewinn für alle“,

 

so steht es in der Charta der Vielfalt, die von fünf großen deutschen Unternehmen 2006 ins Leben gerufen wurde.

 

Aber stimmt das wirklich?

 

Was haben wir davon, wenn wir multikulturell zusammengesetzte Teams bilden? Sorgt das nicht eher für Missverständnisse, Konflikte im Team und schlechte Arbeitsergebnisse?

 

Nun ja, so leicht und uneingeschränkt kann man das leider nicht formulieren:

Mehrere Studien belegen, dass interkulturell zusammengesetzte Teams entweder deutlich bessere oder deutlich schlechtere Leistungen erbringen als Teams, die aus dem gleichen kulturellen Hintergrund stammen.

 

Wie gelingt es?

Personalauswahl

Schon bei der Auswahl der Mitarbeiter beginnt es. Klar, das kennen Sie natürlich aus Ihren täglichen Aufgaben der Personalauswahl. Dabei geht es häufig für Sie darum, eine Übereinstimmung zwischen den Fähigkeiten und Talenten der Mitarbeiter mit den jeweiligen Anforderungen der Position zu erzielen.

Für die interkulturellen Teams beziehe ich mich bei der Suche nach geeignetem Personal insbesondere auf zwei Aspekte:

  • Zum einen bei der Personalauswahl neben den fachlichen Qualifikationen bereits auf das Vorhandensein von sozialen und interkulturellen Kompetenzen zu achten.
  • Zum anderen ist einer der Schlüsselfaktoren der Blick auf die Zusammensetzung des Teams. In interkulturellen Teams ist es besonders entscheidend, eine Balance der Nationalitäten bei den Teammitgliedern abzubilden. Dominiert in einem Team eine Kultur und die anderen Kulturen sind lediglich als Minderheiten vertreten, kann dies zu starker Subgruppenbildung innerhalb des Teams führen, welche anschließend die Ursache für Konflikte und Blockaden in der Zusammenarbeit darstellen kann.

 

Kommunikation

Ein weiterer Erfolgsfaktor für das Gelingen der Teamarbeit in interkulturellen Gruppen, stellt die Kommunikation zwischen den Teammitgliedern und die gelebte Gesprächskultur im Team dar. Brechen wir den Begriff der Kommunikation herunter, beschäftigt er sich mit dem Übermitteln von Nachrichten. Ein Adressant sendet seine Botschaft, sodass der Adressat sie erhält. A transportiert B nach C. Leider ist die Gleichung selten so einfach und dieser Prozess nicht linear, obwohl er sich so banal anhört. Sicher kennen Sie die Situation aus Ihrem beruflichen Alltag, in der eine Person etwas sagt und beim Empfänger kommt eine völlig andere Interpretation des Gesagten an. A transportiert B nach C, und auf dem Weg wird aus B etwas anderes, vielleicht Z oder Q oder oder…

 

Das passiert uns schon mit Personen aus unserem eigenen Kulturkreis tagtäglich. In der interkulturellen Kommunikation kommt neben der unterschiedlichen Sprache noch eine zusätzliche Variable hinzu, die das „Verstehen“ verkompliziert. Die Nachricht wird auf Basis eines kulturellen Hintergrundes gesendet. Damit meine ich, dass ich etwas sage, weil ich weiß, dass man das in Deutschland eben SO sagt und auch eben genau SO versteht – oder „normalerweise versteht“.

 

In unserem Fall, wird die Nachricht aber auch mit einem kulturellen Hintergrund empfangen. Einem völlig anderen kulturellen Hintergrund, welcher bei der Dekodierung und der Interpretation der Nachricht natürlich eine entscheidende Rolle spielt. Sobald wir in den Kontakt mit Personen anderer Kulturkreise treten, werden also unsere normalen Kommunikationsregeln ungültig und das „Dekodierset“, was wir sonst in Dialogen einsetzen, muss verifiziert, hinterfragt und angepasst werden.

Wenn im deutschen Sprachraum ein klares „ja“ auch „ja“ heißt, muss das z.B. im indischen Kulturkreis noch lange nicht das Gleiche bedeuten.

 

Religion

Der dritte Aspekt, der die Zusammenarbeit und das persönliche Zugehörigkeitsgefühl in interkulturell zusammengesetzten Teams stark beeinflusst, ist der, des Umgangs mit religiösen Unterschieden.

Besonders in einem säkularen Staat wie dem unseren mag diese Überschrift wie eine Provokation klingen.

 

Ist es aber nicht.

 

Stattdessen soll die Auseinandersetzung mit diesem Thema einen Schlüssel für ein gegenseitiges Verständnis und einen wertschätzenden Umgang miteinander symbolisieren.

Es geht in erster Linie darum, ein Verständnis für die religiösen Gepflogenheiten der „Anderen“ nicht nur zu fühlen sondern auch zu leben.

 

Die Basis hierfür stellt der Gedanke dar, dass Religion und religiöse Traditionen in anderen Kulturen einen wesentlich größeren Bestandteil des Lebens darstellen und dies demnach auch einen Teil der Identität der Person widerspiegelt. Sich auf äußerliche Faktoren wie Kleidung, Gebetzeiten oder Feiertage zu fokussieren und diese zu be-/verurteilen, kappt ein vielleicht schon erstes entstandenes Verständnis füreinander.

 

Von Seite des Unternehmens hierfür offen zu sein und tolerant zu agieren, hohe Feiertage zu kennen und gleiche Maßstäbe für alle Religionen anzulegen, öffnet Türen für eine respektvolle Zusammenarbeit.

 

Führung

Die Führungskraft hat in interkulturellen Teams eine besonders entscheidende Rolle. Hier gilt es, über die normalen Führungsaufgaben hinaus, sensibler auf Vorwarn­zeichen für Kommunikationsblockaden, kulturelle Missverständnisse und Differenzen zu reagieren und auch eher einzugreifen.

 

Zudem hat sich gezeigt, dass es sinnvoll ist, zu Beginn vergleichsweise mehr Zeit in die Teambildung zu investieren. Diese Zeit des Formings ist nicht zu unterschätzen. Hier werden Themen wie Werte, Erwartungen, Ziele, Denk- und Arbeitsstile kommuniziert. Durch die Benennung der Unterschiede können Sie nur gewinnen. Von Anfang an klar zu kommunizieren, dass wir im Hinblick auf diese Themen anders geprägt sind, dass wir wissen, dass wir uns mit diesem Aspekt durchgängig auseinandersetzen müssen und sollen, schafft ein Bewusstsein und vermeidet, dass wir im Verlauf des Projektes darüber stolpern.

Was, wir denken doch nicht alle gleich?!

Gut, wenn wir direkt mit offenen Augen in die Zusammenarbeit einsteigen.

 

Der klaren und eindeutigen Zielsetzung durch und mit der Führungskraft stellt einen weiteren wichtigen Faktor dar. Studien zufolge liegt die besondere Stärke interkulturell zusammengesetzter Teams in ihrer Kreativität und Flexibilität. Um dieses Potenzial zu nutzen, aber gleichzeitig sicherzustellen, dass – wenn auch kreativ und mit anderen Methoden und Vorgehensweisen zur Lösung – die gleichen Ziele anvisiert werden, ist es besonders wichtig, dass die Führungskraft Ziele klar definiert und kommuniziert.

 

 

Ein Bewusstsein für diese Schlüsselfaktoren bei Ihren Führungskräften kann dem­entsprechend helfen, die Segel so zu setzen, dass Sie zu den interkulturellen Teams gehören, die -wie oben angeführt- deutlich bessere Leistungen erbringen.

 

 

Zurück zum Eingangszitat….                                                                                                                          „die Wertschätzung der Vielfalt ist ein Gewinn für alle“.                                                                       Lassen Sie uns lernen, wie wir sie richtig wertschätzen,                                                                             damit sie tatsächlich zum Gewinn für alle wird.

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