Bildquelle: Bruno Nacimiento/unsplash

kulturgeschockt…                                                                                                    6 Stufen interkulturellen Lernens

Vielleicht haben Sie selbst bereits die Erfahrung gemacht, in ein fremdes Land zu reisen und dort für eine längere Zeit zu leben.

Vielleicht haben Sie Mitarbeiter im Ausreiseprozess für eine Projektzeit im Ausland begleitet.

Oder vielleicht haben Sie Mitarbeiter aus anderen Ländern in Deutschland in Empfang genommen, sie bei der Integration unterstützt und haben ihnen als Personaler bei Fragen und Problemen zur Seite gestanden.

 

Der Prozess des „Ankommens“ ist erfahrungsgemäß ein längerer. Nicht selten kommt es aufgrund dieser unerwarteten Länge zu Durststrecken und Frustration am Weges­rand. Sowohl der Neuankömmling selbst, als auch die empfangenden Kollegen fragen sich, ob das Ziel der Integration überhaupt erreicht werden wird. Und ob es denn eigentlich ein so erstrebenswertes Ziel ist, da man sich einfach nicht versteht und auch irgendwie seltsam findet – schlichtweg kulturgeschockt ist.

 

Im Voraus zu wissen, ob man 10 oder 100km zu laufen hat, macht doch auch als Wanderer Sinn…

Ob man im Flachland unterwegs sein wird oder ob Bergetappen zu erwarten sind, hat auch so manchen Bergsteiger bei der Einteilung seiner Kräfte geholfen…

 

Also schauen wir uns den Trip doch einfach mal an – 6 Etappen warten auf uns (modifiziert nach Bennett, Milton J.):

 

 

1. „Wir sind alle gleich“

Zu Beginn des interkulturellen Lernens steht die Phase des Leugnens. Es herrscht der Gedanke vor, dass wir Menschen alle gleich sind, die gleichen Bedürfnisse haben und alle gleich agieren. Kulturelle Unterschiede werden kaum wahrgenommen und deshalb auch nicht in das eigene Denken und Handeln mit einbezogen.

Wäre das tatsächlich der Fall und Menschen auf dem südlichsten Zipfel Argentiniens würden sich genauso verhalten wie die in Finnland, wäre das Thema hier erschöpft, interkulturelle Projekte würden bestimmt seltener scheitern und unsere Wanderung wäre nach Etappe 1 zu Ende.

 

 

 

2. „Meins ist besser“

 

Dem ist aber nicht so.

 

Schon nach kurzer Zeit, wird der Ausreisende feststellen, dass auf einmal nicht alles so läuft, wie er es gewohnt ist. Dass er nicht so selbstverständlich verstanden wird und dass er auch mit seinen Interpretationen über die Aussagen und Verhaltensweisen seiner Mitmenschen nicht mehr so häufig richtig liegt… eigentlich sogar mehrheitlich eher daneben…

 

Unverständnis kommt auf.

Das erste Gefühl von Frustration stellt sich ein.

Die erste Berg-Etappe steht auf dem Plan.

 

Dies ist der erste Moment, in dem kulturelle Unterschiede „am eigenen Leibe“ wahrgenommen werden. Allerdings sorgt das Gefühl des „nicht-verstanden-werdens“ dafür, dass diese Differenzen negativ interpretiert werden. In dieser Phase kommt es zur Verteidigung der eigenen kulturellen Werte.

Die erlebte Verunsicherung schreit nach einer Stabilisierung – was passiert also?

Ich muss hingehen und das, was ich kenne, die Umgangsformen, die mir vertraut sind, hochhalten. Das führt dann in der Praxis häufig zu Aussagen wie: „In Deutsch­land macht man das aber so…“, „Bei uns geht man in einem Projekt immer nach folgenden Schritten vor…“.

Und innerlich könnten dann noch folgende Denkblasen hinzugefügt werden: „So wie die hier arbeiten kommt man doch nie zu einem guten Ergebnis…“, „Diese Arbeitsweise ist doch völlig chaotisch und unstrukturiert…“, „Die können ja gar nichts…“.

Aber diese Aussagen und Gedanken stimmen eben nur aus der eigenen Perspektive. Der eigene Ansatz ist besser – FÜR UNS.

Weil wir ihn kennen, weil wir mit ihm vertraut sind, weil wir in zig Male durchgeführt haben.

 

Über den anderen Ansatz wissen wir bislang noch nix oder nur wenig – AUßER DASS ER UNS VERUNSICHERT, weil er uns in den Status einen Lernenden zurückkatapultiert.

 

Wie unangenehm…

 

 

 

3. „die Unterschiede spielen doch keine Rolle“

 

Anschließend treten wir in das vierte Stadium ein: Bagatellisieren.

Die Unterschiede, die kulturübergreifend vorliegen, werden zwar wahrgenommen, aber ihre Relevanz wird heruntergespielt. Man hat in einigen Situationen erlebt, dass es Unterschiede gibt, also ist das Negieren dieser nicht mehr möglich, aber eigentlich möchte man sich auch nicht damit auseinandersetzen.

 

Das wäre ja auch wieder anstrengend…

 

Deshalb wird auf dieser Etappe eine neue Umgangsform gefunden. Die da heißt: ehrliche Selbstdarstellung. Der Gedanke ist, wenn ich den anderen nur klar und deutlich sage, wie ICH funktioniere, dann reicht das.

 

 

 

4. „Vielleicht doch nicht…?“

 

Leider nein.

 

Es reicht definitiv nicht aus. Sie sehen, in diesem durchaus für die Persönlichkeitsentwicklung herausfordernden Prozess der Konfrontation im inter-kulturellen Kontext, hat der Ausreisende schon einige Umgangsstrategien ausprobiert, um mit der kulturellen Unterschiedlichkeit zurechtzukommen: Negieren, Verteidigen des Bekannten, Bagatellisieren…

…doch alles funktionierte nicht.

 

Deshalb wird auf der Etappe 4 ein neuer Prozess in Gang gesetzt. Nach langen Phasen des „Kämpfens“ mit der Unterschiedlichkeit, tritt eine Akzeptanz ein.

Eine Akzeptanz für Differenzen,

eine Akzeptanz, dass ein Neulernen nötig ist,

eine Akzeptanz dafür, dass Unterschiede da sind und dass sie eine Rolle spielen.

 

Und mit der Akzeptanz kommt eine Neugier.

 

Unser Ausreisender begibt sich auf eine Entdeckungsreise. Mit Kinderaugen beginnt er, die Wegstrecke um sich herum wahrzunehmen. Gerüche, Farben, Vegetation – oder in dem realen Beispiel: Verhaltensweisen, Umgangsformen, Kommunikations­weisen.

Beobachten – und diesmal ohne direkt eine Bewertung vorzunehmen.

 

 

 

5. „Wie machen die anderen das?“

 

Auf das Entdecken folgt eine Anpassung. Adaptation von eigenen Verhaltensweisen und Denkformen wird möglich. Sprich: Lernen durch Beobachtung.

 

Der Neuankömmling (der mittlerweile wahrscheinlich schon einige Monate in dem neuen Land verbracht hat) ist über den Schritt des eigentlichen Verstehens und Beobachtens hinaus und beginnt, die Umgangsformen selbst auszuprobieren und wird nun natürlich auch feststellen, welche Resonanz er darauf erzielt.

 

Wahrscheinlich wird er sich hier wie ein Kind, das Laufen lernt, mit ersten wackligen Schritten in der neuen Welt bewegen – und dabei auch das ein oder andere Mal auf die Nase fallen. Denn welches Lernprojekt klappt schon bei den ersten Schritten?

 

Aber mit der Übung wird er die neuen Formen immer besser und sicherer anwenden, sodass auch die anfänglichen Unsicherheiten und die auf Stufe 2 vorhandenen Verunsicherungen immer seltener auftreten.

 

 

 

6. „Ein Teil von deinem ist nun auch meiner“

 

Als letzte Etappe vor dem Ziel steht die Integration. Hier geht es nicht nur darum, das Denken und Handeln sicher „anwenden“ zu können und quasi wie ein Tool aus der Tasche zu ziehen. Vielmehr liegt der Fokus darauf, die kulturellen Unterschiede in die eigene Persönlichkeitsentwicklung miteinzubinden. Das bedeutet natürlich nicht, per se alles aus der neuen Kultur ungefragt zu übernehmen. Diese Phase bezieht sich stattdessen auf einen offenen aber auch kritischen und konstruktiven Umgang mit den Unterschieden.

 

 

 

Da der Weg in der Tat lang ist, ist es wichtig,                                                                                             die Reisenden,                                                                                                                                          Ankommenden und                                                                                                                                   Empfangenden                                                                                                                                                    gut auszurüsten.

Das bedeutet nicht nur ihnen vorher Informationen über die Länge und Beschaffenheit des Weges zu geben,                                                                                                                                                sondern auch sie bei Durststrecken und Erschöpfung auf dem Weg zu unterstützen, zu ermutigen oder auch mal ein Stückchen des Weges zu begleiten…

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