Ich hätte „Nein“ sagen sollen…

Warum aus Nein manchmal Jein und dann doch Ja wird.

 

 

Gerade eben stand Ihr Kollege in der Tür, hat kurz nachgehakt, ob Sie ihn bei der Anfertigung einer Präsentation unterstützen können.

Dann war noch Ihre Führungskraft da und hat ebenfalls eine Aufgabe dagelassen.

Und die Einführung des neuen Mitarbeiters, die können Sie doch auch eben übernehmen, oder?

 

Ohne dass Sie einmal kurz Luft holen oder Sie die Konsequenzen einmal bis zum Ende durchdenken konnten, sind die Aufgaben bereits alle auf Ihrem Tisch gelandet.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Der Moment, in dem Sie jemand um etwas bittet oder fragt, ob Sie etwas übernehmen können und Sie eigentlich innerlich spüren, dass Sie es nicht wollen, aber eine andere Stimme wie auf Autopilot „ja, klar“ sagt.

Dabei kann es sich sowohl um berufliche als auch um Situationen im privaten Kontext handeln, in denen inneres Gefühl und äußeres Handeln kontrovers verlaufen.

 

In den nächsten drei Blogartikeln würde ich mich diesem Thema gerne gemeinsam mit Ihnen nähern. Lassen Sie uns mal auf die Spurensuche begeben: Wieso sagen wir eigentlich ‚ja‘, wenn wir ‚nein‘ meinen (Blog 1)? Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Ja-Sagerei (Blog 2)? Wie kann es uns besser gelingen, ‚nein‘ zu sagen, wenn wir ‚nein‘ meinen und ‚ja‘ zu sagen, wenn wir ‚ja‘ meinen (Blog 3)?

 

Also… starten wir mit dem WARUM.

 

ewige Ja-Sager

 

Um zu verstehen, warum es uns so schwer fällt, uns mit einem ‚Nein‘ abzugrenzen, müssen wir ein paar Jahrhunderte zurück in die Vergangenheit wandern. Denn dort liegt eine ganz simple aber plausible Antwort. Für unsere Verwandten in der Steppe war es neben dem Jagen und Sammeln, essentiell wichtig, Teil einer schützenden Gruppe zu sein. Ein Ausschluss aus der Gemeinschaft hätte den sicheren Tod bedeutet. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass man sich Freunde macht, Konflikte vermeidet und besonders von ranghöheren Gruppenmitgliedern Aufträge annimmt – ‚Ja‘ sagt.

Ein Putsch wird höchstens in dem Rücken des Anführers organisiert und dann auch nur, wenn dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich für einen selbst ausgehen wird.

Mit diesem Hintergrundwissen ist es vielleicht ein wenig verständlicher, warum wir eine Tendenz zum Ja-sagen haben.

Aber nicht alles, was wir seit Jahrhunderten machen, müssen wir ja auch weiterhin tun – oder?

Aber leider ist das nur die Basis, auf der wir uns bewegen. Daneben gibt es noch zahlreiche weitere Gründe, die uns hindern, ‚nein‘ zu sagen, wenn uns eigentlich danach wäre.

 

Faul

 

„Ich möchte nicht, dass andere denken, ich wäre faul!“

 

Dieser Gedanke steckt häufig hinter der ständigen Akzeptanz von Aufträgen und Bitten. In dem Moment, in dem ich eine Bitte abschlage oder einen Auftrag (womöglich noch von meinem Chef) ablehne und verdeutliche, dass ich hierfür keine Kapazität habe, könnte für den anderen der Eindruck entstehen, dass ich faul bin und keine Motivation an den Tag lege. Denn schließlich hat meine Führungskraft ja die Einschätzung getroffen, dass das Arbeitspaket durchaus noch bei mir untergebracht werden kann. Meine Ablehnung kann also als Faulheit und geringes Engagement interpretiert werden.

Denken wir noch einen Schritt weiter und führen die Verkettung fort: Wird jemand, der geringes Engagement zeigt befördert? Würde ich diesem Mitarbeiter besonders herausfordernde Aufgaben übertragen?

Wahrscheinlich eher nicht, denn dann werden nachher womöglich noch andere, viel wichtigere Aufträge liegengelassen und nicht bearbeitet. Das Risiko kann ich als Führungskraft ja nicht eingehen.

 

So der Gedankengang im Kopf des Ja-Sagers.

 

nicht Leistungsfähig

 

„Nachher halten die mich noch für nicht talentiert und fähig.“

 

Auch diese Überlegung ist nicht unüblich in derartigen Situationen. Mache ich als Mitarbeiter meine Grenze deutlich und signalisiere Überlastung, zeige ich damit, dass ich an ein persönliches Limit gelangt bin. Ist dies nun nicht aus dem Grunde, dass ich wie im ersten Beispiel faul bin und somit die Wahl getroffen habe, nicht mehr Arbeit übernehmen zu wollen, so läge hier die Ursache in einem „Nicht-Mehr-Können“.

Damit wird unsere Leistung messbar.

Also unsere Grenze liegt bei x Aufgaben in einem Zeitraum y.

Nun können andere bewerten.

Zu dem Schluss gelangen, dass mindesten z Aufgaben in einem Zeitraum y zu bewältigen sind.

Im Umkehrschluss lautet das Fazit dieser Bewertung: Du bist nicht schnell, gut, qualifiziert genug. 

 

Auch dieses Urteil wollen wir um jeden Preis vermeiden!

 

Unkollegial

 

„Am Ende denken die noch, ich WILL denen nicht helfen.“

 

Ist es ein Kollege, der mich um Unterstützung bittet, könnte mein ‚Nein‘ als unkollegiale Aktion gewertet werden, so der Gedanke. Schließlich sind wir doch ein Team und sollten uns auch in stressigen Zeiten bestmöglich unterstützen.

Auch der Wunsch nach Sympathie spielt hier eine nicht unbedeutende Rolle.

Denn häufig werden Sachebene – arbeitsbezogene Unterstützung – und Beziehungsebene – wie stehe ich zu dem anderen – hier miteinander vermischt.

Vor dem Hintergrund weiterhin geschätzter und akzeptierter Teil des Teams zu sein sowie auch Unterstützung zu erfahren, wenn dies einmal erforderlich sein sollte, ist die einzige logische Konsequenz: JA!

 

Verantwortungslos

 

„Die negativen Konsequenzen für das Unternehmen wären zu groß – wenn ich das nicht mache, fällt das Projekt ins Wasser!“

 

Auch dies ist ein Satz, den ich unzählige Male gehört habe. Der Sprecher hat hier die Verantwortung übernommen und trägt sie gewissenhaft. Er sieht das Gesamtprojekt und vor dem Hintergrund eben auch die Konsequenzen, die zunächst erfolgen würden, würde er seine eigenen Grenzen klarer vertreten. Wahrscheinlich ist auch eine gewisse Portion Stolz involviert. Denn nicht ohne Grund ist man in diese verantwortungsvolle Position gekommen. Und hier soll die Person, die die Verantwortung übergeben hat, auf keinen Fall enttäuscht werden. Ich will beweisen, dass ich diese Position gut und gewissenhaft ausfüllen kann und dass man mir durchaus zukünftig auch größere Verantwortung übertragen kann.

 

Was wir aus all diesen vier Szenarien ableiten können, ist…

 

dass es die Angst ist, welche uns triggert. Die Angst vor der Bewertung und Einstufung anderer, die uns zu Ja-Sagern macht.

 

 

Lesen Sie in den folgenden Artikeln, was die Konsequenzen dieses Verhaltens sind und wie ein Ausweg gelingen kann.

entschieden entscheiden

Ich sollte mal wieder...

Was ist dran an den Glaubenssätzen? (Teil 1)

Ich möchte gerne Regelmäßig interessante Personal-News erhalten.

Eintragen und Impluse erhalten.

 

Ihre Formularnachricht wurde erfolgreich versendet.

Sie haben folgende Daten eingegeben:

monatlicher Newsletter

Bitte korrigieren Sie Ihre Eingaben in den folgenden Feldern:
Beim Versenden des Formulars ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

Hinweis: Felder, die mit * bezeichnet sind, sind Pflichtfelder.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Carla Wölk | Köln