Sehnsucht nach Harmonie

Warum wir Konfrontation vermeiden.

 

Irgendwie bin ich mit dem Vorgehen gar nicht einverstanden.

Irgendwie passt mir die jetzige Aufteilung ganz und gar nicht.

Irgendwie fühle ich mich ungerecht behandelt.

Und das nicht zum ersten Mal.

 

Aber ich sage lieber nichts.

Ich glaube, das ist besser.

 

Ich mag den respektvollen Umgang miteinander.

Ich mag weder Streit noch Rechtfertigungen.

Ich mag nicht, wenn etwas in der Luft hängt.

Ich mag es, wenn die Auseinandersetzung vorbei ist.

 

Wahrscheinlich würden mir viele sofort zustimmen.

Aber wieso ist das so?

 

Machen wir uns doch einmal auf die Suche.

Lassen Sie uns dazu am besten ganz vorne starten und zunächst schauen, was sich eigentlich hinter dem Begriff ‚Harmonie‘ versteckt, um dann zu ergründen, wieso dieses Gleichgewicht so wichtig für uns ist. Abschließend sollten wir nicht vergessen, auch zu überlegen, welche Konsequenzen diese Sehnsucht nach Harmonie birgt.

 

 

Was ist Harmonie?

 

Der Duden spricht zunächst von Musik. Etwas weiter unten lässt sich folgende Definition finden: „innere und äußere Übereinstimmung; Einklang, Eintracht“ (Duden).  Als Synonyme finden sich: Ausgewogenheit, Zusammenklang, Einigkeit.

Wenn wir nun ein bisschen mit dem musikalischen Bild gehen, ergibt sich für Teams vielleicht ein melodisches Lied, welches ohne Absprachen und ohne ausgesprochene oder unausgesprochene Differenzen entsteht.

Ein gemeinsames Miteinander ohne Konflikte.

Vielleicht ein stilles Einverständnis.

Eine Zusammenarbeit ohne Unvereinbarkeiten.

Ein Funktionieren ohne Reibung.

 

Klingt irgendwie nach Paradies, oder?

 

Der ewige Wunsch…

 

Aber warum ist es uns so unglaublich wichtig, die Harmonie zu wahren und bloß nicht das Risiko einer Auseinandersetzung einzugehen?

 

Als Gründe möchte ich folgende zwei Punkte anführen:

  • Unseren ureigenen Wunsch nach Zugehörigkeit und
  • Den Wunsch das eigene Bild in den Augen der Anderen positiv zu gestalten.

 

Schauen wir zunächst auf den ersten Aspekt. Sozialpsychologen beschreiben, dass der Mensch eine Neigung zur Konformität besitzt. Eines der Hauptbedürfnisse ist das Gefühl danach, irgendwo dazuzugehören, sich mit anderen verbunden zu fühlen und dadurch geborgen und in Sicherheit zu sein. Jegliche Auseinandersetzung – sei sie auch noch so klein – wirkt dem entgegen und führt zumindest temporär zu einem Gefühl der Isolation. Evolutionär gesehen macht dieses Bedürfnis sehr viel Sinn. Denn in dem Moment, in dem ich Teil einer größeren Gruppe bin, verspricht mir das Sicherheit und Schutz gegenüber möglichen Bedrohungen. Es mag durchaus sein, dass uns dieses Erbe geblieben ist.

Der zweite Aspekt dreht sich um die Tatsache, dass wir besonders im beruflichen Kontext sehr darauf bedacht sind, ein gutes Bild von uns in den Köpfen der anderen zu hinterlassen. Vor diesem Hintergrund erscheint es wenig verwunderlich, dass wir nicht als jemand wahrgenommen werden wollen, der ständig mit seiner Umwelt im Clinch liegt. Denn so ein komplizierter Zeitgenosse ist womöglich sehr anstrengend im Kontakt. So die Hypothese der Außenwelt.

Und nun einmal richtig um die Ecke gedacht: Wenn jeder einzelne der „Anderen“ nun auch lieber Streit vermeidet, dann tut er gut daran, diesen Streithahn zu meiden, denn er will ja selber weder streiten noch will er als jemand, der ständig im Streit ist, abgestempelt werden.

 

Diese beiden tiefen Bedürfnisse können vielleicht ganz gut als Begründung herangezogen werden für unseren beständigen Wunsch nach dem Paradies, der Harmonie, dem Einklang.

 

Der Wolf…

 

…ja: im Schafspelz

 

Der Wunsch nach Harmonie ist genau das.

Es klingt wunderbar.

Es klingt wirklich nach Paradies.

Wenn Zusammenarbeit genau so funktionieren würde, dann wäre das ein Traum.

 

Aber wo immer Menschen zusammentreffen, da gibt es Reibung. Menschen sind nun einmal nicht identisch und sie haben unterschiedliche Bedürfnisse, Perspektiven auf Dinge, Ansätze zu arbeiten und deshalb treten früher oder später in jeder Beziehung Konflikte auf.

 

Und allein deshalb ist die Harmoniebedürftigkeit eben schon kaum umsetzbar.

 

Aber kommen wir zu dem Wolf.

Wieso Wolf?

Weil das Festhalten an Harmonie die Situation meist schwieriger gestaltet als sie eigentlich sein müsste. Würden wir den Konflikt von vorneherein als solchen benennen und angehen, könnten wir an einer Lösung arbeiten und darauf aufbauend unsere Zusammenarbeit stärken, den Anderen besser kennenlernen und  eine Konfliktkultur etablieren.

Das kurzfristige Erfüllen des Bedürfnisses nach Harmonie hat dagegen häufig zur langfristigen Konsequenz:

  • dass Konflikte negiert werden,
  • dass eigene Grenzen überschritten werden,
  • dass wir Dinge tun, die wir eigentlich nicht tun wollen,
  • dass wir einen inneren Groll hegen und ihn mit in die nächste Situation nehmen,
  • dass diese Gefühle Arbeitsbeziehungen belasten,
  • dass die Atmosphäre im Team darunter leidet,
  • dass die Motivation sinkt,
  • dass die Themen irgendwann doch explodieren und dann in einer Heftigkeit an die Oberfläche gelangen, die für die Beteiligten schwer zu kontrollieren ist.

 

 

Mit dem Blick auf diese Konsequenzen spricht doch einiges für die direkte Konfrontation mit den Themen, die als nicht passend erlebt werden, oder?

Denn das Gegenteil von Konfrontation ist nicht Harmonie, sondern Gleichgültigkeit…

 

 

 

 

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