Zur Seite geschoben ≠ Weg                                                                                 Wie latente Konflikte Teams blockieren.

Eigentlich hatte das Projekt sehr gut begonnen. Alles Experten im Team, die sich hervorragend mit den jeweiligen Aufgabengebieten auskennen. Doch schon bald steht der erste Mitarbeiter in Ihrer Tür und beschwert sich über die Zusammenarbeit mit einem Kollegen, die „überhaupt nicht funktioniere“. Informationen, die nicht ausgetauscht werden, Entscheidungen, die nicht abgesprochen werden oder Aufgaben, die nicht entsprechend der Standards erfüllt werden. Vielleicht steht er auch nicht mit den Themen in Ihrer Tür, sondern lässt einfach bei möglichen Anlässen unmissverständliche Kommentare oder Andeutungen fallen. Sarkasmus und Ironie sind dafür ja wunderbare Hilfsmittel…

Kennen Sie das aus eigener Erfahrung? Durften Sie bereits das eine oder andere Mal als Vermittler oder als Zuhörer agieren?

Interessant ist es, zu beobachten, was hier eigentlich passiert – und bei dem Phänomen sind wir alle ähnlich. Denn wer setzt sich schon tatsächlich gerne mit Konflikten auseinander? Riskiert, eigene Bedürfnisse und Gedanken zu offenbaren? Nimmt in Kauf be- und abgewertet zu werden? Eigentlich also ganz adaptiv und clever, sich erst einmal zurückzuhalten, oder?

 

Schauen wir es uns an – ich schlage vor, dies anhand einer Metapher für den Konfliktpartner zu machen: die eines Radios.

Und das Radio ist neu …

Einmal an die Seite geschoben bitte

Na ja, das neue Radio ist eines der komplizierteren technischen Geräte, dass wir nicht so auf den ersten Blick verstehen. Wir haben mal auf ein paar Knöpfe gedrückt, es uns mal von allen Seiten angeschaut, aber irgendwie kam noch kein brauchbarer Ton raus schon gar nicht das, was wir wollen! Wir brauchen nämlich einen ganz spezifischen Song und den auch eigentlich eher gestern als heute. Nach einigen erfolglosen Versuchen, schieben wir das Radio etwas frustriert an die Seite. Es bleibt eine Mischung aus: Was ist das für ein blödes Gerät? und Bin ich irgendwie zu dumm, zu verstehen, wie das Radio funktioniert? hängen.

Nun könnte ich eine Menge unterschiedlicher Dinge tun, um dieses Thema zu lösen. Ich könnte mich mit einer Bedienungsanleitung hinsetzen und mich mit dem Radio beschäftigen. Ich könnte es mit meinen früheren „Radioerfahrungen“ abgleichen, schauen, an welchen Stellen ich Wissen übertragen kann und inwiefern mich meine Vorkenntnisse in die Irre führen.

Aber sehr wahrscheinlich werde ich so reagieren, wie unzählige andere Menschen das auch tun werden – nämlich den zunächst sparsamsten Weg gehen und das Radio einfach mal an die Seite schieben. Raus damit aus meinem Blickfeld und mich den wirklich wichtigen Dingen zuwenden.

in der Zwischenzeit

So gehe ich dann nun jeden Tag zur Arbeit in mein Büro und laufe an dem Radio in der Ecke vorbei. Es ist, als würde es mir alleine durch seine Präsenz ein hämisches Grinsen zuwerfen, welches mir meine Inkompetenz vor Augen führt. Gefällt mir gar nicht! Wenn ich nun ein Meister in der Technik der Verdrängung wäre, würde mir dieser kritische „Radioblick“ vielleicht gar nicht auffallen. Ich spaziere an meinen Arbeitsplatz, erledige meine Aufgaben und gehe genauso wieder nach Hause – alles wunderbar.

Leider ist diese Gabe des Verdrängens an mir vorübergegangen und deshalb kann es sein, dass ich zwei weitere Methoden aus der Trickkiste ziehen muss:
 

  1. Ich lege vielleicht einfach etwas über das Radio oder verfrachte es direkt mal in die Abstellkammer, dann kann es mich auch nicht mehr so abfällig angucken.
  2. Ich vergewissere mich bei Kollegen, dass das Radio tatsächlich blöd ist, dass es viel zu kompliziert in der Bedienung ist und dass das „Nichtfunktionieren“ definitiv nicht mein Fehler ist.

Hervorragend – nun habe ich zumindest einmal dafür gesorgt, dass mich dieses „Radiothema“ nicht mehr belastet! Ja, bis hierhin hat es zwar schon einiges an Gedanken gebunden und ich habe häufig über das Radio nachgedacht, wenn ich mich eigentlich konzentrieren wollte, aber gut, jetzt ist es ja endlich weg.

Bis zu dem Punkt, an dem ich aus der Abstellkammer Musik höre.

Was ist da los??

Da trällert doch tatsächlich das kaputte Radio ein Liedchen für meinen Kollegen? Einwandfrei.

Und das nächste und das nächste.

Grrr!

Das gibt mir zu denken.

Besser ich schaffe noch ein wenig mehr Abstand, rede ein bisschen mit Kollegen, die das Radio auch nur zum Rauschen bekommen und sage mir, dass ich mit allen anderen Radios blendend zurechtkomme.

Wunderbar, die Welt ist wieder in Ordnung.

Jetzt brauche ich aber wirklich diesen Song!

Nun kommt der Tag, an dem ich doch nochmal die Abstellkammer aufsuchen muss. Ich komme nämlich wirklich nicht weiter ohne diesen verdammten Song! Ich weiß, der Song ist alles andere als kompliziert, aber ich kann nun mal einfach nicht singen. Jedes andere Radio könnte diesen Song besser spielen, aber leider habe ich nur dieses zur Verfügung. „Es wird bestimmt eh nicht funktionieren“ und „damit verschwende ich bloß meine Zeit“ – mit diesen Gedanken im Kopf marschiere ich in den Raum, in dem sich das Radio befindet. Um die Story ein wenig abzukürzen: es kommt wie ich es geahnt habe, das Radio spuckt ein Töne aus, die dann aber ohne jegliche Erklärung wieder verstummen bis sich am Ende nichts mehr tut und noch nicht einmal das grüne Lämpchen leuchtet, dass sonst immer zu sehen ist.

Das kann doch wirklich nicht wahr sein! Wer hat so ein unnützes Gerät angeschafft? Wer hat diese Kostenstelle überhaupt genehmigt? Mein Ärger weitet sich aus. Am liebsten würde ich das Radio einfach wegschmeißen, wer braucht schon so ein verdammtes Gerät?!

„Vielleicht bist du auch einfach nicht intelligent genug, ein Radio zu bedienen….“, schleicht sich ganz leise wie auf Zehenspitzen ein Gedanke in mein Gehirn. Erst bemerke ich ihn nicht, so groß ist der Ärger noch. Dann zieht der Gedanke seine Kreise, immer wieder, immer wieder - ein kleiner neuer Ohrwurm…

Auf in die nächste Runde im Teufelskreis

Um diesen mantra-artigen Ohrwurm zum Schweigen zu bringen, bedarf es schon weit mehr Aktivitäten….vielleicht eine noch größere Entfernung? Wenn ich noch öfter und lauter sage, wie kompliziert das Radio ist? Wenn ich vielleicht der Geschäftsführung mal zeige, dass dieses Radio wirklich gar nichts kann noch nicht mal mehr einen einfachen Song abspielen?

Ich werde mir was einfallen lassen….

Und munter beginnen wir die nächste Runde im Karussell

Haben Sie auch schon mal vergeblich nach einem Song gesucht - oder anderen bei der Suche geholfen?

 

 

Lesen Sie in zwei Wochen in Teil 2 darüber, welche anderen Lösungen möglich wären, um nicht Dauergast im Karussel zu werden.

Ich möchte gerne Regelmäßig interessante Personal-News erhalten.

Eintragen und Impluse erhalten.

 

Ihre Formularnachricht wurde erfolgreich versendet.

Sie haben folgende Daten eingegeben:

Newsletter

Bitte korrigieren Sie Ihre Eingaben in den folgenden Feldern:
Beim Versenden des Formulars ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

Hinweis: Felder, die mit * bezeichnet sind, sind Pflichtfelder.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Carla Wölk | Köln